16 Jul
16Jul

Wir nahmen erneut das Postauto, weil die fast 30 Kilometer bis zum Ende des Tals per Velo mit Wilma nicht machbar sind. Die Fahrt war kurvenreich und lang, schliesslich kamen wir nach einer Stunde in einer anderen Welt an! Auf fast 1700 Metern Höhe liegt Turra, von hier geht es nur noch zu Fuss weiter. Nach einer Stärkung im Gasthaus schauten wir in ein kleines Museum, welches in einem urigen Stall untergebracht ist. Dort erfuhren wir Interessantes über die Besiedlung dieses hochgelegenen Tals. 

Um 1300 n. Chr. kamen Walser aus dem Oberwallis über die Passwege ins Tal. Sie suchten neue Gebiete für ihre Viehwirtschaft. Ihre Art zu Leben war anders als die der romanischen Bevölkerung in den Haupttälern, denn sie rodeten die Wälder und legten dann auf den Weideflächen pro Familie mehrere Ställe und Heuschober weit verstreut an. (Die Rätoromanen bauten ihre Häuser dagegen in Siedlungen nah beieinander, oben in den Bergen sahen sie keinen Lebensraum für sich.) Sie wanderten mit ihrem Vieh im Jahreslauf von einem Stall zum nächsten und waren perfekt angepasst an das Leben in über 1000 Metern Höhe. Der besondere Baustil der Walserhäuser ist gut zu erkennen, ohne viel Werkzeug errichteten sie ihre Gebäude aus Baumstämmen und deckten sie mit Steinen bzw. talabwärts mit Holzschindeln. Von den Herren im Tal wurden die Walser geduldet und genossen sogar steuerliche Vergünstigungen und gewisse Freiheiten, die sie im Oberwallis nicht hatten.

So ist die Landschaft in diesem wunderschönen Tal bis heute geprägt von den Walser Streusiedlungen. Die Gebäude sind teilweise verfallen, viele sind aber auch dank initiativer Menschen gerettet worden, indem ihre Dächer fachgerecht nach alter Handwerkskunst erneuert wurden. 

Wir wanderten an einem Rückhaltebecken (kleiner Stausee) entlang, durch Auenwald oder Hochmoor, Wiesen und Weiden. So eine Blütenpracht hab ich noch nie gesehen!  Orchideen in grosser Zahl, Margeriten, Skabiosen, Glockenblumen, Nelken- und Kleearten, Enzian und ganz viele Blumen, die ich erst noch bestimmen muss,  leuchteten um die Wette in dieser klaren Luft. Die umliegenden Berge sind einfach wunderschön, die Murmeltiere pfiffen, die Sonne schien und wir waren total begeistert von diesem Flecken Erde. 

Leider hatten wir nicht viel Zeit und mussten zurück, um das Postauto zu erreichen. Wir werden also irgendwann zurückkehren ins hintere Safiental! Um 17 Uhr waren wir wieder in der Pusseline und warteten einen Schauer ab, dann hatten wir noch etwas vor. Wir radelten hinunter nach Valendas, denn dort stand ein Tisch im  Gasthaus am Brunnen für uns bereit. Oh, war das ein Schmaus! Ein ehemaliger Rheinländer hat dieses Restaurant zusammen mit seiner einheimischen Partnerin in einem alten, schön sanierten Haus am Platz in ein Gourmetlokal verwandelt, die unglaublich feinen Gerichte und alles drumherum ergaben einen sehr stimmigen Besuch, von dem wir satt und zufrieden zurück nach Carrera radelten.

Der nächste Regenschauer kam erst, als wir im Bett lagen. Was hatten wir heute für ein Glück mit dem Wetter.


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