Die Nacht war gewittrig und es zog sich auch durch den heutigen Tag ein Schauer nach dem anderen. Da durfte ich mal so richtig gemütlich in der Pusseline faul herumliegen, Frühstück im Bett geniessen und lesen, während Bo den aktiven Teil des Vormittags übernommen hat, inklusive Gassirunde mit Wilmchen an den Rhein.
Nachmittags nahmen wir das Postauto nach Ilanz, der ersten Stadt am Rhein, so sagt man. Ein Städtchen ist es höchstens, sagen wir. Es liegt in der sogenannten Gruob, dem Grund eines Sees, der sich hier vor ca. 10000 Jahren angestaut hatte, weil das Wasser des Rheins aufgrund des Flimser Bergsturzes nicht weiterfliessen konnte. Das Wasser suchte sich im Laufe der Zeit seinen Weg durch die riesigen Schuttmassen, der See lief ab und hinterliess fruchtbaren Boden. Dort liegt nun Ilanz und flussabwärts entstand im ständig erodierenden Gestein und Geröll des Bergsturzes das Ruinaulta/Rheintal.
Wir schlenderten in fünf Minuten ins Zentrum und hatten nach weiteren fünf Minuten alle sehenswerten Gebäude umrundet. In einem Café suchten wir Schutz vor dem Wetter, kauften in der Migros Gemüse und Brot, dann konnten wir im Restaurant Städtlibeiz aufkreuzen. Natürlich hatten wir reserviert, denn Restaurants haben hier in der Region nur zwei bis vier Tage pro Woche geöffnet und ohne Anmeldung geht nichts. So kommt es, dass es mehr Gastronomie mit „heute geschlossen“-Schildern gibt als mit „herzlich willkommen“. Uns wunderte das, im Juli ist doch Hauptsaison? Das Essen, das Ambiente und der Service waren ausgezeichnet und wir genossen es sehr, kulinarisch verwöhnt zu werden.
Um 19 Uhr nahmen wir das letzte Postauto hinauf nach Carrera und das war der Tag.