26 Jul
26Jul

Wir schliefen gut in der Stille des Valle Stura. Die italienischen Gäste gingen auch Samstagabend früh schlafen, das war super. 

Nach dem Frühstück spazierten wir talaufwärts über ein grünes Plateau, es wurde aus einem Bach mit kleinen Kanälen bewässert. Das Ufer der Stura hatte einen breiten Schwemmlandstreifen mit flachem Bewuchs von Weiden, Birken, Blumen und dazwischen Flusssteine in allen Grössen und Sand. Wir schlugen uns durch dieses Dickicht zum Fluss und konnten ein ganzes Stück von Stein zu Stein hüpfend zurückgehen. Die Natur ist völlig unberührt und kann wachsen, wie sie will, der Fluss kann fliessen, wohin er mag, das ist schön. Weniger schön war der Müll, der überall herumlag, von der Stura mitgetragen und hier abgeworfen. 

Wir gingen noch durch den Festungsgraben aufwärts, liefen also über eine Wiese, die rechts und links von hohen Mauern gesäumt war. Der Graben endete dort, wo wir gestern auch angekommen sind, allerdings diesmal unterhalb der Zugbrücke. Zum Glück fanden wir eine offene Tür unter der Brücke und konnten über Treppen hinauf gelangen. An der Hauptstrasse stand ein Zelt, in welchem antiquierte Bücher verkauft wurden. Dort lag auch ein Stapel „Mein Kampf“, was mich doch sehr irritierte, aber in Italien sind weder Hakenkreuze noch dieses Buch verboten. 

Mittags assen wir wieder einen Salat in der Bar an der Festung, dann war Siesta angesagt und am Nachmittag fuhren wir mit dem Velo in den Weiler Pratolungo-Roviera. Die Häuser sind uralt und stehen dichtgedrängt aneinander, aus Steinen und Holz erbaut, Material aus der Umgebung. Die Menschen wohnen sehr einfach und ich denke seit über 100 Jahren unverändert, ausser, dass sie nun Strom haben und die Abwasserentsorgung geregelt ist. 

Um den Weiler herum sind Gemüsegärten angelegt, weiter unten befindet sich ein riesiges flaches Gebäude aus Holz mit einem grossen Parkplatz - das ist die Abfüllanlage des Sant‘ Anna Mineralwassers. Es ist eines der besten Mineralwasser überhaupt, sehr natriumarm und deshalb für Babys gut geeignet. Mindestens 50 grosse LKW‘s standen da, alle elektrisch betrieben. Es scheint also ein nachhaltiges Unternehmen zu sein, welches von der Familie Bertone geführt wird. Nestlé kann hier nichts ausrichten. Es schmeckt sehr gut, aber auch das Wasser aus dem Wasserhahn schmeckt super. 

Wir fuhren zurück über eine Hangstrasse, die eigentlich gesperrt war wegen Erdrutschgefahr, sie verlief ca. 20 Meter oberhalb der Stura im Wald. Immer wieder ergaben sich Ausblicke auf die gigantische Festungsanlage. Die Strasse endete im Auenwald und wir entdeckten, dass in versteckten Ecken immer wieder Camper standen, die hier wohl geduldet werden oder zumindest nicht erwischt. Sehr idyllisch und ruhig, am Fluss und in der Nähe eines Dorfes mit Infrastruktur gelegen, ist es bestimmt kein Geheimtipp mehr, aber es war noch viel Platz vorhanden.  

Bruno fuhr auf der anderen Talseite noch hinauf bis nach Neraissa Inferiore, während Wilma und ich zurück zur Pusseline fuhren. 

Das war ein zu kurzer Aufenthalt im Valle Stura. Es gibt tolle Wandermöglichkeiten weiter oben in den Bergen, aber bei der Hitze ist das nichts für mich. 

Morgen geht’s weiter über die Grenze nach Frankreich.

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