Heute waren Kurven angesagt. Vom Camping ging es am See entlang Richtung Embrun, wir folgten der Durance flussaufwärts, dann bogen wir ab ins Tal der Guil. Von dort zweigte die Passstrasse auf den Col d‘Izoard ab. Die Lärchen- und Kiefernwälder sahen hier weniger trocken aus, dafür kamen uns die Berge wieder sehr bröselig vor - riesige Schuttkegel, aus denen zuoberst zackige Felsgruppen herausstechen. Kurz vor der Passhöhe konnten wir am landschaftlich aussergewöhnlichsten Ort anhalten. Viele Felstürme und -türmchen bildeten eine Kulisse von besonderer Schönheit, es war prächtig anzuschauen.
Auf der Passhöhe des Col d‘Izoard tummelten sich Motorradfahrende und dumme deutsche Rallyefahrer, deren uralte Golfs beim Aufwärtsfahren mit schwarzen Abgasen die Natur verpesteten. Und natürlich die tapferen Rennradfahrenden, die unsere volle Bewunderung hatten. Damit sie sich auch selbst bewundern können, gab es mehrere Fotografen am Strassenrand, die Fotos machten und anschliessend verkaufen wollten.
Etwas weiter unten entdeckten wir das Refuge Napoleon, ein Bergrestaurant, wo wir Salat und eine Käsetarte assen. Es war Handyverbot auf der Terrasse und man musste Bar oder mit Schecks aus Papier bezahlen. Das Essen war fein. Wir kurvten weiter talwärts bis wir Briançon erreichten, die zweithöchste Stadt Europas (nach Davos). Hier hat der berühmte Baumeister Ludwigs IIV. Vauban (1633-1707) sehr viel gewirkt, eine Cité hat er geplant und mehrere Festungsanlagen auf den verschiedenen Felskuppen um die Stadt herum. Die grosse Dichte an Festungen in den von uns bereisten Tälern ist schon sehr krass, finde ich. Zwischen 1930 und 1940 wurden sie genutzt als Teil der Maginot-Linie, einer Verteidigungslinie entlang aller französischer Aussengrenzen, ausser der spanischen. So unglaublich viele Mauern und Bunker wurden errichtet aus Angst vor den europäischen Feinden. Da finde ich die EU doch wirklich eine sinnvolle Errungenschaft. Die Zeit der Männer und ihrer Kriege ist hoffentlich auch in Osteuropa irgendwann vorbei.
2030 finden die olympischen Winterspiele hier statt. Das Fort des Têtes wird für die Nutzung als olympisches Dorf umgebaut. Ebenso werden alte Kasernen als Luxushotels und für andere städtische Projekte umgenutzt.
Wir mussten noch ein Stück die Durance (da war sie wieder) hinauffahren bis nach La Vachette, checkten auf dem Camping Montana ein und legten uns in den Schatten vor die Pusseline. Heute war es besonders heiss, da ging nachmittags garnichts.
Gegen Abend wollten wir auf einer Nebenstrasse mit den Velos nach Briançon hinunterfahren, mussten die Route dann aber abbrechen wegen umgestürzter Bäume. Also nahmen wir die Hauptstrasse und kamen zügig in der Cité Vauban an. Sehr hübsch ist diese Oberstadt, von deren meterdicken Befestigungsmauern der Blick auf die modernere Unterstadt und die Berge toll war. Wie in den kleinen Bergdörfern ist es auch in der Stadt üblich, die Häuser mit Wellblech zu decken. Das ist nicht so dekorativ, aber wohl praktisch. Die schmalen und hohen Häuser der Altstadt sind bunt und mit schmiedeeisernen Balkonen verziert.
Wir fanden sogar eine Crêperie, doch zuerst sind wir auf den Hügel der Cité spaziert, haben das Fort de Château umrundet, sind auf der anderen Seite wieder hinuntergeklettert und haben einen tollen Aussichtspunkt gefunden. Der Blick ging tief hinunter zur Durance und wieder hinauf zum Fort de Têtes und zum Fort Dauphin. Jetzt hatten wir uns einen Aperol Spritz auf der Terrasse der coolen Panorama Café verdient, anschliessend ging es in die Crêperie L‘Eterlou.
Nach einer salzigen Galette und einer süssen Crêpe sind wir zurückgefahren, damit wir noch vor der Dunkelheit in der Pusseline ankommen.