25 Jul
25Jul

Die Nacht war der absolute Alptraum, ab 1 Uhr wurde die Musik deutlich leiser, aber nicht leise. Bruno kam auf ein bis zwei Stunden Schlaf. Am Morgen verabschiedeten wir uns von unseren Kindern, die zurück in die Schweiz fuhren, wir machten uns auf den Weg Richtung Turin. Die erste Stunde ging es am Ufer des Lago Maggiore auf schmaler Strasse bis nach Verbania, dann wurde es entspannter auf der Autobahn Richtung Turin und weiter durch die westliche Poebene bis Cuneo und Borgo San Dalmazzo. Inzwischen war es hügelig und grün, dem Wald sah man die Trockenheit kaum an. Hinter den Hügeln sahen wir im Dunst höhere Berge, aber der Hinmel war diffus und die Sicht schlecht. Die Stura di Demonte ist eine von mehreren Flüssen namens Stura, die alle im Po enden. Nördlich verläuft das Valle Maira, einst das einsamste Tal Europas, wo wir in den 90er-Jahren eine wunderbare Wanderwoche verbrachten. Was für eine wilde Landschaft war das! Und nun sind wir im Sturatal angekommen, auf dem Campeggio dei Forti im Ort Vinadio

Zum Glück hatte ich telefonisch reserviert, denn es ist Samstag und der Platz ist ausgebucht. 

Der untere Teil des Campingplatzes liegt am Ufer des Flusses. Kiesbänke und tiefe Becken ermöglichen es zu baden. Nach ein paar Minuten flussabwärts kamen wir an einen Badesee, hinter dem die untere Front des Forte di Vinadio aufragte. In der Mauer des Forts klaffte ein Loch, vermutlich durch Artilleriebeschuss im 2. Weltkrieg, welches als Eingang zu einer coolen Bar genutzt wird. Am See laden Tische und Liegestühle ein, den Tag entspannt in der Natur zu geniessen, wir stürzten ein Bier hinunter und assen deftige Crêpes und Salat. Gestärkt schlenderten wir weiter zwischen den imposanten Mauern des Forts herum, stiessen auf ein offenes Tor und gingen hinein. Eine Doppeltreppe führte hinauf, oben fanden wir Gänge mit innenseitigen Räumen und nach aussen offenen Bögen vor. Wir folgten einem Gang, es ging immer aufwärts, einige Stufen, Gewölbe, immer weiter, soweit das Auge reichte. Alles sah sehr alt, verlassen und trotzdem gut erhalten aus, es war kein Müll oder sonst ein Hinweis auf aktuelle menschliche Nutzung zu sehen und wir wunderten uns sehr, dass man einfach so in dieser Festung herumspazieren konnte. Mehrmals änderte sich ein wenig die Richtung, dann kam ein grosses hölzernes Tor und wir fanden uns an der Strasse wieder, auf der wir angekommen und zum Campingplatz abgebogen waren. Doch die Befestigungsanlagen waren hier noch lange nicht fertig. Auf der anderen Strassenseite ging es weiter bergauf, ein tiefer und breiter Graben umgibt diesen Teil der Anlage, die sich nun in verschiedene Richtungen und Gebäude verzweigt. Ausserhalb der Mauern kuschelt sich das Dorf an den Hang, die kleinen Steinhäuser haben hölzerne Veranden und Fensterläden und eine romanische Kirche mit einem sehr schönen Turm gehört auch in das Ensemble. Bevor der Hang zu steil wird, thronen die letzten Befestigungsanlagen über dem Ort. Ich war sehr fasziniert von all den Mauern und Bögen. Auf dem Rückweg sahen wir eine weitere Bar, die hübsch in das Forts integriert wurde. 

Laut Internet befinden sich in der gesamten Anlage über 10 Kilometer Gänge. Wir haben vielleicht einen davon abgelaufen und sind mental völlig platt. Eine unvorstellbar harte Arbeit steckt in diesen Mauern, die der Kontrolle der Grenze zu Frankreich dienten, jedoch keinen grossen Kampfhandlungen ausgesetzt waren, bis im 2. Weltkrieg angloamerikanische Bomben auf die deutsche Wehrmacht (die die Festung besetzte) zielten. 

Die Festung wird heute mit verschiedenen kulturellen Konzepten belebt, wir haben davon nichts gemerkt und fanden es super, alleine auf Entdeckungstour gewesen zu sein. Als wir zurück an der Pusseline waren, fing es an zu tröpfeln. Wie gemütlich, wir werden bestimmt gut schlafen.

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