Wir verliessen unseren Campingplatz an der Durance bei Briançon und bogen ins Val de la Guisane ein, es ging via Monêtier-les-Bains bis hinauf zum Col du Lautaret. Der Blick auf das Gletschermassiv La Meije im Süden war eindrücklich, die schwarzen Felsen bildeten einen tollen Kontrast zum Eis. Es waren die ersten Gletscher, die wir auf unserer Reise durch die französischen Alpen sahen. Auch die Aussicht zurück ins Tal und über die Cottischen Alpen war herrlich. Es sollte noch weiter hinauf gehen, bis auf den Col du Galibier, 2642m hoch. Wir hatten es uns schlimmer vorgestellt, die Strasse war gut machbar mit dem Camper. Auf der Passhöhe ist die Grenze vom Departement Hautes-Alpes zum Departement Savoie. Was für eine Rundumsicht! 93 Kilometer Luftlinie Richtung Norden schwebte ein riesiger eisbedeckter Berg über allem, die Sicht war sehr gut heute. Der höchste Berg der Alpen, 4808 Meter hoch, liess sich blicken. Ich war happy, denn ich hatte den Mont Blanc noch nie so richtig gesehen. Die Serpentinen hinunter bis nach Valloire gingen gut, der Ort ist offenbar ein boomender Skiort, viele neue Gebäude, Hänge voller Chalets, Bergbahnen, Hotels, Geschäfte und Restaurants - alle Häuser mit Wellblechdach (sieht einfach nicht schön aus). Im Sommer gehört der Ort den Mountainbikes und Rennrädern. Bis Saint-Michel-de-Maurienne fuhren wir endlose Kurven, immer bergab, es schien nie zu enden. Daran merkten wir, wie hoch der Pass war. Dann ging es entlang der Arc flussabwärts, endlich entspannter auf der Autobahn, bis ins Tal der Isère und weiter bis hinauf nach Chambéry, Universitätsstadt und Hauptstadt der Savoie, bei 37 Grad Aussentemperatur. Chambéry liegt zwischen zwei Gebirgszügen: Chartreuse und Massif des Bauges. Wir wollten gern einen Abstecher in den Naturpark Chartreuse machen. Nach zwanzig Minuten Fahrt über die Felder und um die Hügel kamen wir auf dem Camping de la Bruyère in Saint-Jean-de-Couz an. Hier war Wald, Ruhe, Wind, 33 Grad, wir bekamen einen schönen Platz unter alten Ahornbäumen.
Wir kochten uns ein spätes Mittagessen und liefen dann mit Wilma los, die endlich mal wieder Gelegenheit hatte, durch den Wald zu toben. Leider war auch dieser Wanderweg irgendwann nicht mehr passierbar uns wir mussten umkehren, wieder waren Bäume umgestürzt und mit Brombeeren überwuchert, da ging nichts ohne Säge. Der Wald sieht traurig aus, sehr viele Fichten und Buchen im Endstadium oder schon tot, keine jungen Bäume, die nachwachsen. Mir macht das grosse Angst. Wer produziert unseren Sauerstoff, wenn die Bäume nicht mehr da sind!? Wer schützt uns und wer schenkt uns Holz? Wer beherbergt unsere Wildtiere und die Vögel? Der Wald ist der ursprüngliche Lebensraum des Menschen. Ohne Wald können wir nicht existieren, oder? Auf unseren Reisen sehen wir überwiegend kranke Wälder, nicht weit von Briançon sind 510 Hektar Wald verbrannt und es brennt noch immer. Die Feuer bei Bordeaux am Atlantik sind so schlimm, es sind 42.000 Hektar zerstört. Dass das Gebiet zum grössten zusammenhängenden Waldgebiet Westeuropas gehört und aus menschengemachten Monokulturen (Kiefern) besteht, ist interessant. Frankreich hat das schlimmste Jahr seit Aufzeichnungsbeginn zu bewältigen.
Ganz in der Nähe gibt es eine kleine Brauerei, das Bier wird auf diesem netten Campingplatz verkauft. Zwei Sorten hab ich schon probiert, lecker und Bio!
Wir freuen uns nun auf die Kühle der Nacht.