Wir starteten pünktlich um viertel vor zehn, denn wir hatten einen Termin. Also fuhren wir ein paar Kilometer durch die Landschaft und parkten am Fuss einer riesigen Felswand. Zu Fuss wanderten wir eine Rampe hinauf und fanden den Eingang zu einer Schlucht, die wir in 20 Minuten aufwärts durchwanderten, bis wir an der Kasse der Grottes de Saint-Christophe ankamen. Unsere reservierten Tickets galten einer geführten Tour durch zwei Höhlen, wovon eine noch lebte und die andere tot war. Das bedeutet, in eine Höhlen sickert regelmässig Wasser durch die Decke und fliesst dann ab, wodurch die Stalaktiten wachsen, ausserdem herrscht eine konstante Temperatur von 9 Grad (das war schön), die andere ist vollständig trocken und die über Jahrtausende gewachsenen Stalaktiten hängen schwarz von der Decke, sind teilweise abgebrochen und wachsen nie mehr. Das interessante an diesem Ort war jedoch, dass die Felswand vor dem Eingang zur Schlucht den Abschluss des Chartreuse-Gebirges bildet, somit auch das Ende der Alpen, zu denen die Chartreuse gehört. Die bewaldeten Hügel auf der anderen Seite des Tals gehören schon zum Jura. Ich wusste nicht, dass es so eine klare Grenze von einem Gebirge zum nächsten gibt. Die Schlucht war sehr schön, sie wurde schon von den Römern genutzt, die sogenannte Voie Sarde überwand das erste grosse Hindernis auf dem wichtigen Handelsweg von Lyon nach Turin. Die Rampe, welche hinauf zur Schlucht führt, hat die Stufenkonstruktion der Römer ersetzt und wurde vom Herzog von Savoyen in Auftrag gegeben . Dafür wurde sogar ein Denkmal für ihn in der Schlucht erbaut. 1820 liess Napoleon parallel zur Schlucht einen Tunnel graben, bis dahin wurde sie Voie Sarde rege genutzt.
Die Landschaft der Chartreuse ist ein Wanderparadies, es ist sehr ursprünglich und mir gefallen die hellen Kalksteinfelsen, die aus dem Grün der Wälder herauszuplatzen scheinen.
Nach dem Ausflug in die Unterwelt, fuhren wir weiter Richtung Norden, aber nicht weit. Wir hatten uns einen Campingplatz am Lac du Bourget ausgeguckt, dem grössten natürlichen See Frankreichs. Er liegt schön am Rand des Massif de Bauges, der bekannteste Ort Aix-les-Bains ist ein Stück nördlicher. Wir haben am Ufer des Sees die Hängematte aufhängen können, so ein Glück. Das Wasser war klar und nicht zu warm, das tat gut, denn es war schwülheiss und dunstig, so garnicht mein Wetter.
Abends spazierten wir am See entlang und assen etwas in einer Brasserie, das war nichts, aber nu.
Morgen fahren wir heim. Ich finde das perfekt, denn genau jetzt ist auch die Luft raus bei uns und wir sind satt von neuen Eindrücken, haben genug schlecht französisch geredet, genug gut gegessen und getrunken, genug HolländerInnen vor ihren Wohnwagen sitzen sehen, genug schöne Landschaften bewundert und sind genug um Kreisel gefahren. Jetzt freuen wir uns auf unser Zuhause!