07 Apr
07Apr

Gestern haben wir den ganzen Tag geputzt und gepackt, die Eiertütschete mit der Nachbarschaft haben wir verpasst, aber: heute Morgen waren wir startklar und als wir in Goppenstein aus dem Tunnel kamen, waren es schon 10 Grad. Ein Camper hat einen eingebauten Frostwächter, der dafür sorgt, dass bei einer Temperatur von weniger als 3 Grad das Wasser aus dem Frischwasser abfliesst, damit in den Leitungen keine Schäden entstehen. Die Fahrt über den Simplonpass war also etwas spannend. Auf der schattigen Nordseite ging es hinunter bis 5 Grad, dann kam die Passhöhe und es hielt. Nun konnten wir die klare Sicht auf die wunderschönen und tief verschneiten Gipfel der Walliser Alpen geniessen. Aber es wurde noch schöner, denn als wir aus der Gondoschlucht herauskamen, den Lago Maggiore links liegen liessen und die Poebene erreichten, sahen wir den Alpenkamm von Süden bei perfektem Wetter! 

Mittags um 12 kamen wir auf dem Camping Grinto in Moncalieri (Vorort von Turin) an. Es wäre richtig schön, wenn nicht eine sehr laute Schnellstrasse daran vorbei führen würde. So ist es eben in der Stadt. Direkt vom Platz erreicht man mit dem Velo in 30 Minuten das Zentrum von Turin, es geht immer am Po entlang und durch idyllische Landschaft. Das war auch für Wilma optimal. Wir gelangten in den sehr schönen Park Valentino. Dort befindet sich das Borgo Medievale, ein Freilichtmuseum, welches ein komplettes mittelalterliches Dorf zeigt. Es sieht spannend aus, wird allerdings gerade saniert. Am Ufer des Po liegt auch das sehr elegante Castello di Valentino, es gehört zur Polytechnischen Universität von Turin und beherbergt die Fakultät für Architektur. 

Wir verliessen das Ufer des Po und tauchten in das Schachbrettmuster der Strassen im angesagten Quartier San Salvario ein. Die kleinen Läden waren über Mittag geschlossen, aber das multikulturelle Leben war auch so spürbar. Wir stärkten uns mit einem Kaffee im Orso Laboratorio del caffè, als nächstes Ziel peilten wir die Piazza San Carlo an. Das elegante, barocke Herzstück Turins - so heisst es - packte uns nicht, uns zog es zur Piazza Carignano und weiter durch die Galleria Subalpina, zur Piazza Carlo Alberto. Das Museo Nazionale del Risorgimento Italiano thematisiert die Zeit, als Turin die Hauptstadt des wiedervereinten Italiens unter König Vittorio Emanuele II war. Dieser ist im Palazzo Carignano geboren und eine wichtige Persönlichkeit der italienischen Geschichte. Der Palazzo Carignano hat mich begeistert, besonders der Innenhof, der eine Verbindung mit dem Museo Nationale bildet. Die Fassade ist aus rotem Backstein gebaut und komplett mit Sternen geschmückt, was einfach toll aussieht. Die imposante Vorderansicht des Palazzo ist mit Schleifen verziert, dort auf der Piazza Carignano gab’s dann den ersten Aperitivo. 

Das Wahrzeichen Turins ist der Mole Antonelliana, ein ursprünglich als Synagoge begonnenes Bauwerk, welches heute ein Filmmuseum beherbergt. Die riesige, extrem hohe Kuppel ist aus Ziegelsteinen erbaut und war einmal das höchste Gebäude Europas. 

Wir wollten anschliessend den Dom und den Palazzo Reale sehen, irrten bei inzwischen sommerlicher Hitze an einer Stadtmauer entlang, die keinen Zugang bot und stellten fest, dass Turin sehr viel Grün bietet und der Verkehr im Zentrum gering ist. Die Radwege werden fast nur von E-Scootern genutzt. Wir sahen ein römisches Stadttor und schliesslich den Duomo, in dem das Turiner Grabtuch aufbewahrt wird, angeblich das Leichentuch von Jesus. Für das zweite Aperitivo wollten wir zurück an den Po und düsten am Ufer entlang an alten Kasematten und Bars bis zu einem Park nahe der Architektur-Uni, wo die kommende Generation, die sehr alternativ mit Birkenstock Boston und Schlabberlook die Wiese bevölkerte und tatsächlich analoge Aufzeichnungen studierte und diskutierte oder Aperol für 5 Euro von der ins Ufer gebauten Bar Imbarchino trank. Wir lagen herum, spielten mit Wilma schlugen ein wenig die Zeit tot, weil wir um 19.30 in Ristorante Mezzaluna reserviert hatten, einem veganen Restaurant im Norden der Altstadt. Wir brachen auf, als die Sonne hinter den Bäumen verschwand und kamen an bei einem Zettel an einem geschlossenen Rolladen „Reaperture 8.4“ - na toll. Genervt suchten wir eine Alternative mit den Augen, weil unsere Handys inzwischen keinen Akku mehr hatten, und fanden das Tre Galli, wo wir draussen idyllisch und lecker vegetarisch assen. 

Die Rückfahrt durch die Nacht war ein Abenteuer. Es war bei Dunkelheit nicht gut, die Strecke am Po zu fahren, also ging es 11 Kilometer durch das Schachbrettmuster der Stadt. Die grossen Corsi, oft Alleen, führen entweder gerade zum Po oder verlaufen im rechten Winkel dazu. Die vielen Seitenstrassen zum Corso Vittorio Emanuele II führen immer durch ein Doppeltor, was ich enorm finde. Wilma sass ganz lieb in ihrem Korb und nach einer halben Stunde waren wir zurück an der Pusseline. 

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