27 Jul
27Jul

Ich wäre gern noch geblieben, heute Morgen war der Himmel nicht mehr dunstig, sondern tiefblau. Aber wir haben am nächsten Ort reserviert, also geht’s los, das Valle Stura hinauf bis zum Lac de la Maddalena auf der gleichnamigen Passhöhe. Murmeltiere begrüssten uns mit ihren Pfiffen. Weiter ging es über die Grenze nach Frankreich. Die Lärchenwälder waren teilweise völlig abgestorben, zum grössten Teil aber noch grün bis braungrün. Ein Stück weiter hielten wir zum Mittagessen im „Mare e Monti“, einem originell-verkitschten Restaurant mit sehr netten Betreibern und gutem Essen. Wir hatten noch einige Höhenmeter abwärts zu bewältigen, durch das Tal der Ubaye, die türkis unten in der Schlucht leuchtete. Die Berge sahen ziemlich mitgenommen aus, viel Schotter, Erosion, sehr instabile Hänge, aber auch schroffe, wunderschön gezackte Berggipfel. Oben auf einem Bergkamm sahen wir das Fort de Tournoux, eine eindrückliche Anlage mit einer langen Mauer. Es ist das französische Pendent zum Forte di Vinadio, hier hat man sich vor den Italienern gefürchtet. Die Berge wurden eindrücklicher, die Landschaft weniger wild. Via Barcelonette, einem grossen Ferienort, erreichten wir den Lac de Serre-Ponçon. Schon von weitem leuchtete sein Wasser petrolfarben zwischen den hellen Felshängen, dazu das Grün der Wälder, das sieht toll aus! Der Stausee ist riesig und weit verzweigt, diverse Campingplätze und Feriensiedlungen haben sich angesiedelt und eine lange Brücke verbindet die Ufer im nördlichen Teil. Da der See nicht natürlich ist, finden sich hier keine historisch gewachsenen Orte, was schade ist. Doch der weite Blick auf den See und die umgebenden Berge ist sehr beeindruckend. Plötzlich standen rechts der Strasse bizarre Felstürme mit Steinkappen. Sie heissen Desmoiselles Coiffées, ein seltenes geologisches Naturwunder, welches durch Erosion entstanden ist. Wir erreichten den Camping Municipal in der Baie Saint-Michel am Nachmittag bei über 30 Grad. Unser Platz hat zum Glück Schatten, liegt aber an der Stichstrasse zur Bucht. Die Hauptstrasse, die den ganzen See umrundet, wäre schlimmer gewesen, dort ist ein immenser Verkehr, auch Lastwagen und viele Motorräder. Zum Velofahren ist die Gegend also nicht geeignet. 

Nach einer Siesta gingen wir die 400 Meter bis zum See hinunter. Der Strand ist sehr gewöhnungsbedürftig, denn er ist asphaltiert bis ins Wasser hinein. Davor ist im See eine künstliche Insel aus Plastikelementen installiert, sowas kannten wir schon von Cannobio. Es ist sehr hässlich und bunt und verstellt den Blick auf die kleine Miniinsel mit der Chapelle Saint-Michel, die auch nach dem Bau der Staumauer und der daraus folgenden Überflutung des Tals der oberen Durance noch aus dem Wasser schaut. Im Juni hat der Stausee seinen jeweiligen Höchststand und wird kontinuierlich zur Stromgewinnung abgesenkt, bis im Februar/März der niedrigste Stand erreicht ist und man sogar zu Fuss zur Chapelle laufen kann. 

Wir gingen am Ufer weiter zur nächsten kleinen Bucht, von der aus ein Halbinselchen in den See ragt. Knorrige Kiefern wachsen dort und an manchen Stellen kommt man hinunter in den See. Die Ufer sind aus schieferigem Gestein und der Seeboden ist etwas schlammig, zum schwimmen war es herrlich!

Zurück am Campingplatz assen wir Salat und Pinsa und schauten zu, wie die Berggipfel rot wurden und dann der Fast-Vollmond aufging. 



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